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Kurzfassung
Heft 17:
Grundwasserneubildung in der Übergangszone zwischen Festgesteinsrücken
und Kalahari-Lockersedimentüberdeckung (Namibia)
Holger Mainardy
Kurzfassung: Die Grundgleichung Niederschlag = Abfluß + Verdunstung
kann in semiariden Gebieten zur Berechnung der Grundwasserneubildung nur
angewandt werden, wenn mit der aktuellen und nicht mit der potentiellen
Verdunstung gerechnet wird. Während Niederschlag und potentielle Verdunstung
als bestimmbare Größen mehr oder minder genau gemessen werden können,
ist die Bestimmung und Berechnung von Abflußmenge und aktueller Verdunstung
unter semiariden Klimaverhältnissen mit einigen Schwierigkeiten verbunden.
Die in gemäßigten Klimaten übliche Methode der Ermittlung der Grundwasserneubildungsrate
über den Trockenwetterabfluß ist wegen des Fehlens perennierender Fließgewässer
in Namibia nicht möglich. Zur Untersuchung der Grundwasserneubildung in
Festgesteinen wurde das in die Kalahari entwässernde Gebiet zwischen Grootfontein
im Nordosten und Rehoboth im Südwesten betrachtet. Es umfaßt Teile der
Einzugsgebiete des Omuramba-Omatako, des Eiseb-, des Nossob- sowie des
Seeis-, Olifants- und Skaap-Riviers (Trockentäler). Der größte Teil des
westlichen und zentralen Namibia wird von Festgesteinen aufgebaut, deren
Alter zwischen Präkambrium und Kreide beträgt. Bei den älteren, präkambrischen
bis kambrischen Gesteinen handelt es sich entweder um metamorph überprägte,
ehemalige Sedimentgesteine, die während der panafrikanischen Orogenese
oder früherer Gebirgsbildungsphasen gefaltet und tektonisch beansprucht
wurden, oder um syn- bis posttektonisch intrudierte Plutonite. Besonders
im Zentrum Namibias stehen über diesen Gesteinen auch permokarbonische
bis kretazische Sedimentgesteine der Karoo-Folge an. Während im Westen
des betrachteten Gebietes die Festgesteine häufig an der Erdoberfläche
oder unter einer meist nur wenige Dezimeter bis Meter mächtigen Überdeckung
aus äolischen Lockersedimenten und Verwitterungsprodukten anstehen, wird
nach Osten hin zur Kalahari die Lockersediment-Überdeckung immer mächtiger
und erreicht schließlich im außerhalb des in dieser Arbeit betrachteten
Gebietes liegenden Kalahari-Becken bis zu mehreren hundert Meter.
Zur Bestimmung der Größenordung der Grundwasserneubildung wurden die Konzentrationsfaktoren
aus dem Quotienten der Chloridkonzentration im Regenwasser und derjenigen
im Grundwasser berechnet. Hierzu wurden auf über das gesamte Arbeitsgebiet
verteilten Farmen Grund- und Regenwasserproben gesammelt. Die Chloridkonzentration
in den Regenwasserproben erreichte in wenigen Fällen maximal 2 mg/l, während
in den Grundwasserproben selten mehr als 100 mg/l Cl- gemessen wurden.
Nachdem der Oberflächenabfluß abgeschätzt wurde, konnten Grundwasserneubildungsraten
von maximal etwa 50 mm/a am Waterberg nach dieser Methode berechnet werden.
In den meisten Fällen beträgt die Grundwasserneubildungsrate jedoch nur
wenige mm/a. Ähnlich hohe Ergebnisse konnten für die Verwitterungszonen
der Festgesteine mit dem Computerprogramm MODBTG, einer Modifikation von
MODBIL (UDLUFT, 1992 ff., unveröff.) aus den täglichen Niederschlagswerten,
der Hangneigung und bodenphysikalischen Parametern berechnet werden. Im
Gelände wurden für die Durchlässigkeits-Bestimmung der Verwitterungsprodukte
und Lockersedimente ungestörte und gestörte Bodenproben genommen, die
im hydrophysikalischen Labor an der Universität Würzburg untersucht wurden.
Es konnten hierbei kf-Werte zwischen ca. 10-4 und 10-7 m/s festgestellt
werden. Die Durchlässigkeiten der Festgesteine wurden aus dem im Gelände
aufgenommenen und gemessenen Kluftmuster näherungsweise bestimmt, wobei
gut durchlässige Bereiche des Etjo-Sandsteins an den Waterbergen maximale
Durchlässigkeiten von ca. 5·10-4 m/s und mehr aufweisen können. Die meisten
Bereiche der gut durchlässigen Gesteine im Arbeitsgebiet, darunter auch
der größte Teil der Etjo-Formation, weist nach den in dieser Arbeit durchgeführten
Untersuchungen Kluftdurchlässigkeiten zwischen ca. 10-5 und 10-6 m/s auf.
In den schlechter durchlässigen Gesteinen im Arbeitsgebiet, wie Graniten
und Glimmerschiefern, können dagegen nur maximale Durchlässigkeiten von
etwa 10-8 m/s, in Ausnahmefällen 10-7 m/s festgestellt werden. Diese Durchlässigkeiten
bilden die Grundlage mehrerer kleinerer Strömungsmodelle, denen Topographie
und Geologie ausgewählter Teilgebiete im Arbeitsgebiet zugrunde gelegt
wurden. Sinnvolle Fließmodelle wurden im Waterberg bei maximalen Grundwasserneubildungsraten
von ca. 30 mm/a erreicht, während in den restlichen Modellgebieten nur
maximal etwa 15 mm/a sinnvoll erscheinen. Anhand digitalisierter topographischer
und geologischer Karten wurden schließlich mit dem Geographischen Informationssystem
(GIS) IDRISI (CLARK UNIVERSITY, 1997) für die Grundwasserneubildung günstige
Flächen mit relativ gut durchlässigen Gesteinen und Hangneigung von höchstens
10 ° im Arbeitsgebiet ermittelt und in Übersichtskarten dargestellt. Besonders
für die Grundwasserneubildung wichtige Gesteine im Arbeitsgebiet sind
einerseits die Marmore und Dolomit-Marmore der Damara-Folge und die Sandsteine
der Etjo-Formation im Waterberg- und Mt. Etjo-Gebiet. Dagegen sind Ganggesteine
und Meta-Sandsteine meist nur von lokaler Bedeutung.
Veröffentlichung auf: deutsch
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