Umweltbewertung,
Dokumentation und räumliche Modellierung der Schwermetallbelastung
am jordanischen Golf von Aqaba auf Basis von Korallen als Umweltindikator
Originaltitel:
Environmental assessment, documentation and spatial modeling of heavy
metal pollution along the Jordan Gulf of Aqaba using coral reefs as
environmental indicator
Nedal M. Al Ouran
Die Riff-Probenahmen wurden in zwei Phasen durchgeführt. Die erste
Phase umfasste reguläre Proben, die entlang der Küste von
Aqaba (27 km lang) in einer Tiefe von 4-15 m entnommen wurden, um die
räumliche Verteilung der Verschmutzung zu bestimmen. Die zweite
Phase umfasste drei 20 cm tiefe Bohrkerne, die im Bereich der Industriezone
entnommen wurden, um die Geschichte der Metallverunreinigung in dem
am stärksten betroffenen Bereich entlang der Küste (Industriezone)
zu rekonstruieren. Diese Kerne wurden in bereits früher datierten
Riff-Kommunen mit einer Wachstumsrate von 10 mm/Jahr gebohrt. Die in
einem Kern erfasste Periode beträgt somit etwa 20 Jahre (d.h. 1980-2000).
Alle Proben wurden auf den Metallgehalt von Cd, Pb, Cu, Zn, Ni und Cr
geprüft. Fast alle Proben weisen Werte auf, die höher als
die berechneten Hintergrundwerte liegen. Die verzeichneten Durchschnittswerte
der regulären Proben entlang der Küste betrugen für Cd,
Pb, Cu, Zn, Ni und Cr: 1,25; 4,26; 9,76; 11,40; 2,29 bzw. 10,522 µg
g-1 und für die Kernproben betrugen die Werte: 1,4; 4,2; 5,7; 6,4;
2,3 bzw. 8,21 µg g-1. Die räumliche Verteilung der Metallanreicherung
in den Riffen zeigt einen deutlich zunehmenden Trend in Richtung Süden.
Der gleiche Trend findet sich auch in den Kernproben wieder, wobei die
sechs Metalle zusätzlich auch einen deutlich zunehmenden Trend
von unten nach oben aufweisen, und somitie die zunehmenden anthropogenen
Aktivitäten im Küstenbereich während der letzten zwanzig
Jahre anzeigen. Hohe und relativ hohe Werte wurden im Ölhafen,
der Industriezone und im Haupthafen verzeichnet und somit als stark
betroffene Bereiche eingestuft. Mittelmäßige Metallgehalte
wurden in den Proben am Nordstrand ermittelt und somit als relativ betroffen
klassifiziert. Die niedrigsten Metallkonzentrationen wurden im Bereich
des Marineschutzgebietes beobachtet, das somit das am wenigsten betroffene
Areal entlang der Küste darstellt. Die hohe Anreicherung der Metalle
ist hauptsächlich auf anthropogene Einflüsse zurückzuführen.
Der natürliche Eintrag in den Golf von Aqaba bei den sechs analysierten
Metallen ist im Allgemeinen recht niedrig, aufgrund der geographischen
Position, den kleinen Niederschlagsmengen und folglich auch der geringen
Schuttzufuhr aus den Wadis. Verschiedene potentielle Herkunftsquellen
der Schwermetalle wurden untersucht. Die industriebedingten Aktivitäten,
Hafenbetrieb und Phosphatstaub konnten hierbei als Hauptverursacher
der akuten Bedrohung für das Marine-Ecosystem in Aqaba erkannt
werden. Eine Hauptkomponentenanalyse (PCA) angewendet auf alle entlang
der Küste entnommenen Proben ergab, dass sich drei verschiedene
Gruppen in Abhängigkeit von der Metallanreicherung herausstellen
lassen: die erste Gruppe umfasst Proben vom Nord-Strand und dem Haupthafen
mit mittelmässiger und hoher Anreicherung, die Zweite enthält
die Proben vom Marine-Park und dem Marineschutzgebiet mit niedriger
und relativ niedriger Anreicherung, und die letzte Gruppe besteht aus
den Proben der Industriezone und dem Ölhafen mit hoher Anreicherung.
Die Hauptkomponentenwerte (Principle Component Scores; PCS) wurden auch
verwendet, um die räumliche Verteilung und die Beziehungen der
getesteten Schwermetalle entlang der Küste zu bestätigen.
Es wurden zwei Modelle entwickelt (interpoliert mit SURFER ® 7,0
and Arc View ® 3.2a). Das erste Modell basierte auf den PCS der
ersten Hauptkomponente und zeigt klare positive Anomalien der Metallkonzentrationen
entlang der Küste. Das zweite Modell basiert auf den PCS der zweiten
Hauptkomponente und ist in einer Karte im Zusammenhang mit der Landnutzung
von Aqaba dargestellt. Danach zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang
der positiven Anomalien im Zusammenhang mit den drei verschiedenen Landnutzungszonen,
nämlich dem industriellen Areal, dem Haupthafen und dem Ölhafen.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich Korallenriffe als Indikator für
die Bewertung und überwachung von Umwelt prozessen eignet. Sie
können Daten und Informationen, sowohl über die räumliche
Verteilung von Umweltverschmutzungen, als auch über ihre Geschichte
liefern. Die vorliegende Arbeit ist die erste ihrer Art, die das Korallenriff
als Instrument und Indikator verwendet, um den Umweltstatus entlang
der gesamten Küste von Aqaba zu dokumentieren.